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Sonntag, den 29.01.12
Erodiert, verdichtet, ausgebeutet, vergiftet und versiegelt - das ist der beklagenswerte Zustand einer unserer lebensnotwendigen Ressourcen: die Böden. Der Homo Sapiens behandelt seine Erdkruste wie Dreck. Eine zentrale Ursache dabei spielt die industrialisierte Landwirtschaft.
Die Lebensquelle Bodenkrume ist durch Erosion, Versalzung, Erwärmung, Einsatz von Pestiziden, Verdichtung mit immer schwereren Maschinen, Monokulturen und Versiegelung von Flachen weltweit eine bedrohte Spezies. Inzwischen sprechen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nicht nur vom "Peak Oil", sondern auch schon vom "Peak Soil". Dabei haben Finanzinvestoren, die mit landwirtschaftlichen Böden spekulieren, kein Problem, aber der Beruf der Kleinbauern ist weltweit gefährdet. Der schlechte Umgang mit Böden ist kein neues Phänomen. So hatte das römische Imperium die Böden des Mittelmeerraums, im Zeitrahmen von hundert Jahren, verbraucht und war auf Nahrungsmittelimporte aus den besetzten Ländern angewiesen. Und das spanische Königreich im 16. Jahrhundert holzte seine Wälder ab.
Heute ist aber die ganze Welt davon betroffen. Zusätzliche Belastungsquellen sind Kunstdünger, Antibiotika, Herbizide, Pestizide und Monokulturen, die gentechnisch bearbeitet sind. Die Agrarindustrie fordert den ausgelaugten Böden Hochleistungen ab und gefährdet zusätzlich die Ressource Wasser. Der Einfluss der dementsprechenden Lobby war jetzt auch wieder an der "Grünen Woche" und den dementsprechenden Verlautbarungen von Ilse Aigner zu spüren. Die Sonntagsreden sind zwar voll von leeren Worthülsen wie "Nachhaltigkeit" ein grundsätzliches Umdenken findet aber nicht satt. Die Gegenparole "Wir haben es satt" ist daher mehr als berechtigt.
Was ist zu tun? Auf der einen Seite gilt es weltweit kleinbäuerliche und regionale Strukturen und dezentrale Vertriebskanäle zu fördern, wie ich das in meiner letzten Kolumne angesprochen habe. Auf der anderen Seite brauchen aber auch die Städte grüne Konzepte, die über Blumenkübel in Waschbeton hinaus gehen. Inzwischen wohnen auf diesem Planeten mehr Menschen in Städten, als auf dem Land. In unseren Städten braucht es Flächen, wo sich Böden erholen können. Das hat nichts mit dem Mythos von dem Zurück zu einer ursprünglichen Natur zu tun, sondern mit intelligenten und integrativen Lösungen.
Am Schluss ein positives Beispiel: In New York können alte Industrieflächen neu genutzt werden. Über zwei Kilometer zieht sich ein grünes Band auf einer stillgelegten Hochbahn-Trasse durch einen alten Industrie- und Lagerhausbezirk. Der "High Line Park" ist ein Naherholungsgebiet, Blumen - und Kräutergarten und eine neue Touristenattraktion. Zu verdanken ist das keinen Politikern, sondern engagierten Bürgerinnen und Bürgern. Das hat Vorbildcharakter.