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Grundnahrungsmittel als globaler Spielball

Das sich wandelnde Klima, Spekulationen auf Nahrungsmittelpreise und mangelnde Unterstützung für ländliche Räume bringen den Nahrungsmittelmarkt in immer wieder schwierige und für einige auch katastrophale Situationen. Daher muss ein Umdenken einsetzen.

Unsere Nahrungs- und Genussmittel sind globale Produkte. Tomaten aus Spanien, Orangen aus Israel, Schnittlauch aus Kenia, Blumen aus Kolumbien oder Weizen aus Russland sind in unseren Alltag integriert. Plastischer lässt sich die drastische Entwicklung aufzeigen, wenn wir einige Jahrzehnte zurück schauen. Noch in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts gab es beispielswiese tropische Früchte nur in "Kolonialwarenläden" oder richtig teuer in Drogerien. Erst die Arbeitsmigranten aus Italien, Griechenland oder Spanien, ermöglichten uns einen ersten Blick auf die heute so kulinarisch gelobte Mittelmeerküche. Globalisierung von Lebensmitteln hat unbestreitbare Vorteile. Wir wollen eben auch eine Ananas oder Mango, selbstverständlich mit einem Biozertifikat, zum Dessert geniessen.


Leider muss ich an dieser Stelle den Genuss etwas trüben, denn die Globalisierung von Nahrungsmittel hat auch seine Schattenseiten. In den letzten Wochen haben uns wieder Katastrophenmeldungen aufhorchen lassen. Die Fluten in Pakistan sind für die dortige Reisernte zerstörerisch. In Russland und der Ukraine haben Dürre und Brände ein Fünftel der Weizenernte vernichtet. Und auch die Klimaerwärmung beeinflusst die globalen Märkte. Argentinien, dem nach den USA grössten Maisexporteur, ist von immer stärkeren und längeren Trockenperioden betroffen. Von den Medien fast vergessen, haben die Hungersnöte in Niger, Tschad und Mali fast einen skandalösen Dauerzustand erreicht.

Fast logischerweise steigen die Preise für Nahrungsmittel. Allerdings sind die Katastrophen nur ein Rad im globalen Agrarmarkt. Wovon hängt es zusätzlich ab, wie sich die weltweiten Preise für Weizen, Reis oder Kaffee entwickeln? Zum einen von der schwankenden Nachfrage - vor allem auf den riesigen Märkten China und Indien. Zudem von der Menge und der Qualität des Angebots. Hier haben die Katastrophen ihren Anteil. Wobei Katastrophen oft nicht mit Begriffen wie "natürlich" oder "schicksalshaft" zu analysieren sind, sondern als "menschgemacht" zu bezeichnen sind.
Die Preise für Agrar-Rohstoffe können sich auch gegenseitig beeinflussen. Wird ein Rohstoff knapp, kann das eine Kettenreaktion im gesamten Sektor auslösen. Beispielsweise kann statt teurem Mais, Weizen oder Gerste verfüttert werden - mit Konsequenzen für den Preis. Wenn zusätzliche Fläche für Biotreibstoffe dem Nahrungsmittelmarkt verloren gehen, ist das für Menschen, die auf lokale und preiswerte Produkte angewiesen sind, auch nicht gerade vorteilhaft. Auch der Ölpreis spielt eine Rolle: Ist Öl teuer, müssen die Händler steigende Kosten für Rohstoff-Transporte aus weit entfernten Gegenden einkalkulieren.

In den letzten Jahren sind Banken, Hedgefonds und Pensionsverwalter zu wichtigen Akteuren im globalen Nahrungsmittelmarkt geworden. Sie investieren an Warenterminbörsen in Agrar-Rohstoffe und verknappen damit das Angebot. So können sie den Trend zu steigenden Preise verstärken. Inzwischen wird an den Börsen mit der möglichen Verknappung von Grundnahrungsmitteln auf dem Weltmarkt spekuliert. Katastrophen wie die Waldbrände in Russland werden so im wahrsten Sinne des Wortes befeuert. Davon profitieren einige auf dem Börsenparkett und andere schauen in die Röhre. Nahrungsmittel gibt es immer noch genug auf dieser Welt, nur den Preis dafür können viele nicht mehr zahlen.

Welche Forderungen ergeben sich aus dieser wenig erbaulichen Sicht der Dinge? Sowohl hier als auch in den Ländern des Südens und Ostens, gilt es die ländlichen Regionen wieder zu stärken. In Krisenregionen sollte dabei die Nahrungsmittelsouveränität im Fokus stehen. Und auch hier gilt es regionale Strukturen, Vertriebswege und Produkte zu stärken. Zudem müssen die Agrarexportstaaten endlich aufhören, ihre Landwirte für Ausfuhrgüter zu subventionieren. Die entwicklungspolitische Forderung ist sehr alt, aber leider immer noch richtig. Der Spekulation auf Nahrungsmittel oder die Privatisierung von Wasser ist ein Riegel vor zu schieben. Das wird aber alles einen Tropfen auf den heissen Stein sein, wenn es nicht gelingt die Reduktion der Treibhausgase anzugehen.

Und was können wir Verbraucher tun? Jetzt im Spätsommer und Frühherbst gibt es leckere Produkte aus der Region, die mit vielen Rezepten kulinarisch veredelt werden können. Wir müssen nicht zurück in die sechziger Jahre. Zwetschgen, Pfirsiche, Aprikosen und Äpfel haben in modernen Gewändern einfach Klasse. Die fehlende Flugananas fällt da gar nicht auf.

Walden Bello, einer der bekanntesten Globalisierungskritiker hat dazu ein aktuelles Buch publiziert: Politik des Hungers. www.waldenbello.org

Georg Lutz ist Politologe und lebt in Freiburg. Durch das Buch Vom Mythos des Hungers von Joseph Collins und Francis Moore Lappé, wurde er in seiner Jugend mit politisiert.


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Dienstag, den 31.08.10 |

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