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Es geht auch anders - Grillen und Flexitarier

Ist das Grillen eine lockere Freizeitbeschäftigung mit leckeren kulinarischen Ergebnissen? Wer in sommerliche Gärten schaut, könnte zu diesem Ergebnis kommen. Es geht aber auch ganz anders.

Schon der antike Denker Plutarch eröffnete den Kampfplatz. Mit seinem Text "Über das Fleischessen" war er der erste Theoretiker des vegetarischen Lebensstils. In dem er Fleisch isst, wird der Mensch selbst zum Raubtier, so Plutarch. Auch neuere Denker wie Roland Barth setzen hier an. In seinen "Mythen des Alltags" schaut er seinen französischen Landsleuten auf den Teller. Eine grosse Portion Beefsteak mit Pommes frites führt für ihn zu "Stierkräften".

Und schon sind wir im Geschlechterkampf mit seinen bipolaren Bildern. Für die ganz coolen Jungs im Garten gibt es ein Männermagazin mit dem Namen "Beef!". Die Unterzeile lautet MÄNNER KOCHEN ANDERS. Mit Titeln wie "Rohkost für Männer" oder "Gib`s mir!" zelebriert man ganz offensiv eine pure Männlichkeitskultur. Natürlich geht es dort um die ganz dicken Steaks. Es geht hier auch nicht um einen handelsüblichen Grill im Garten, sondern zum Einsatz kommt ein Smoker als männliches Statussymbol. Wenn das rabenschwarze Monstrum entflammt wird, kommen keine halbe Sachen auf den Rost: höchstens ganze Schweinehälften. Darum gruppieren sich Männer mit einer Flasche Bier in der Hand.


Frauen sind im Rahmen dieser Denke im Funktionsraum Küche beschäftigt. Sie basteln an einem leichten gemischten Sommersalat mit dünnen Putenstreifen. Die Fenchel-Bräterin ist die Spitze dieser Klischeekette. Bei ihr gibt es viel Gemüse, Mais und labbrige Fleischersatzprodukte - irgendwas mit Tofu. Dazu serviert die Gastgeberin einen klösterlich veganen Nudelsalat.

Wollen wir wirklich diese Gendergaps noch wirkungsmächtiger werden lassen? Nein, es gibt spannende Zwischenlösungen, um diese ideologisch verfestigten Positionen, zu umgehen. Das zentrale Stichwort heisst hier Flexitarier. An dieser Stelle meiner Kolumne wird oft klare Kante eingefordert. Hier geht es eher um kulinarische Abrüstung, um das Beste aus beiden Welten zu geniessen. Flexitarier sind überwiegend Vegetarier, sie gönnen sich aber auch ein Essen mit Fleisch - natürlich handelt es sich dabei um ein hochwertiges beim lokalen Metzger erworbenes Biofleisch. Auf dem Grill brutzeln nicht nur hochwertige Fleischprodukte, sondern auch ein Obstspiess auf den Balsamico-Essig geträufelt wird, Tofu-Würfel mit indischem Dressing und leckerer Ziegenkäse im Speckmantel. Erst der richtige Kompromiss führt hier zu kulinarischen Höchstleistungen. Es gilt der Dreiklang Ausprobieren, Ausprobieren und Ausprobieren! Man sollte sich nicht von bipolaren Weltbildern einschüchtern lassen.


Auch für den Flexitarier gibt es historische Vorbilder. Der Anarchist Erich Mühsam lebte Anfang letzten Jahrhunderts in der Aussteigerkommune Monte Verita im Tessin. Die Kommunarden wollten ein anderes Leben zelebrieren. Das betraf auch die Ernährung. Rohkost stand auf dem Speiseplan. Mühsam hielt dies eine Woche durch. Dann wanderte er in die Altstadt von Ascona und gönnte sich ein Schnitzel mit einer Karaffe Rotwein.

www.eatsmarter.de
www.utopia.de

Georg Lutz ist Redakteur und Politologe. Sein erstes Grillerlebnis war das Grillen einer schwäbischen roten Wurst an einem zugespitzten Haselnusszweig - eine echte Herausforderung.


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Montag, den 09.07.18 |

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