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Eine andere Agrarpolitik ist möglich

Bei dem Stichwort EU-Landwirtschaftspolitik halten sich auch viele kritische Konsumenten nicht lange auf: zu komplex und zu bürokratisch schießt es einem durch den Kopf und beschäftigt sich lieber mit etwas anderem. Dabei ist die EU-Agrarpolitik die zentrale Grundlage unserer Ernährung und das kann bis in unseren Alltag herunter gebrochen werden.

Ich mache immer wieder gerne Vergleichstest. So habe ich zwei Eier in meiner Pfanne platziert. Ein Ei kam aus dem Supermarkt und das andere aus einem Hofladen, aus der Region. Schon der erste Blick verdeutlicht Unterschiede. Die Eier aus dem Supermarkt sind alle gleich groß und im einheitlichen Farbton. Die Eier aus dem Hofladen haben unterschiedliche Größen und unterschiedliche Nuancen im Farbton. Den zentralen Unterschied sieht man dann in der Pfanne und schmeckt man auf dem Teller. Das Ei aus dem Supermarkt präsentiert sich als undefinierbarer wässriger Glibber. Das Ei aus dem Hofladen glänzt in sattem Gelb und schmeckt nach Ei.

Jetzt stellt sich die Frage in welche Richtung wollen wir in der Landwirtschaftspolitik gehen und was wollen wir in unserer Pfanne vorfinden? Und schon sind wir in Brüssel gelandet. Anfang Juni 2018 stellte die EU-Kommission ihren Vorschlag für die EU-Agrarpolitik (GAP) nach 2020 vor. Das ist ein wirkungsmächtiger Hebel. Es geht um knapp 40 Prozent der EU Gelder. Es geht um den Umgang mit den Ressourcen, um Boden, Luft und Wasser. GAP ist die Grundlage für Europas Bauern und Konsumenten - konkret wieviel Platz die Tiere haben, ob das Wasser sauber und wie fruchtbar der Boden bleibt.


Agrarkommissar Phil Hogan will mit den Agrarmilliarden weiter Landbesitz belohnen und mit der Gießkanne subventionieren. Es geht weiter nur um kosmetische Veränderungen. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte das Modell seine Berechtigung, da die Ernährungssicherheit der Bevölkerung gefährdet war. Heute nutzt es nur der industrialisierten Landwirtschaft mit ihren mächtigen Lobbyisten. Alle Versuche die europäische Agrarpolitik zu reformieren sind im Kern gescheitert. 1992 wurden die umstrittenen Prämien durch Direktzahlungen ersetzt. Aber für Bäuerinnen und Bauern heißt es immer noch "Wachsen oder Weichen". Das Höfesterben geht ungebremst weiter.

Die Alternativen sind ausformuliert. Es geht nicht mehr nur um die Landwirtschaft die Rohstoffe liefert, und damit auch andere Märkte zum Beispiel in Afrika kaputt macht und hier Milchbauern im Schwarzwald verzweifeln lässt, sondern um den Aufbau von effizienten und starken regionalen Wertschöpfungsketten. In diesem Rahmen können die EU- Agrarmilliarden in die Förderung für regionale Verarbeitung, die Umstellung auf ökologischen Landbau, tierfreundliche Ställe und Biodiversität auf den landwirtschaftlichen Böden gesteckt werden. Korrekturen an einem gescheiterten Modell sind die falsche Lösung.

Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) hat ein Nachhaltigkeitsmodell für die Gestaltung der GAP 2020 erarbeitet. Es baut auf der Position der IFOAM EU Group auf, die im Rahmen eines zweijährigen Diskussionsprozesses zwischen Bauern aus ganz Europa entwickelt wurde.

Wem die Materie jetzt schon zu komplex und staubig trocken erscheint mache den am Anfang geschildeten Pfannentest.

Georg Lutz lebt in Freiburg und ist Redakteur und Politologe. In den neunziger Jahren war er wissenschaftlicher Mitarbeiter eines Europaabgeordneten und hat die Lobbymacht der industrialisierten Landwirtschaft mitbekommen.


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Montag, den 11.06.18 |

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