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Fair ist nicht gleich Fair

Fairer Handel beinhaltet ein großes Versprechen, welches nicht selten enttäuscht wird. Wir sollten aber nicht den Kopf in den Sand stecken oder zynisch reagieren. Fair lohnt sich trotzdem, wenn man einige Punkte beachtet.

Der Begriff "Fairer Handel" ist ein verheißungsvolles Wort. Es suggeriert uns ein moralisch aufgewertetes Kauferlebnis. Mit dem Kauf von fairen Produkten können wir als einzelne Konsumenten die Welt etwas gerechter gestalten. Dazu kommen noch Wortgirlanden die zum Beispiel die "Nachhaltigkeit" beschwören und ein optischer Zusatzeffekt mit einem freundlichen Kinderlächeln, möglichst aus einem exotischen Land, und fertig ist die heile Welt. Dafür greifen wir dann auch etwas tiefer in den Geldbeutel. Wenn wir uns aber einen Moment zurücklehnen, ahnen wir, dass diese Welt keine rosarote Hüpfburg ist. Und das gleich auf mindestens drei Ebenen.

Begeben wir uns zunächst auf die erste Ebene, die wir mit dem vergleichsweise sehr nüchternen Stichwort Verbraucherschutz zusammenfassen können. Es wurde an dieser Stelle schon öfters die verwirrende Vielfalt von Bio- und Fair-Siegeln thematisiert. Zudem sind Begriffe wie "Fair" und "Nachhaltigkeit" nicht rechtlich geschützt und das hat fatale Folgen. Wer denkt, im Rahmen von fairen Siegeln bekommt er auch immer überwiegend fairen Inhalt, ist auf dem Holzweg. Gerade bei Mischprodukten, nehmen wir beispielsweise Schokowaffeln, liegt der Anteil oft nicht höher wie 20 Prozent, manchmal auch darunter. Das sehen wir aber erst, wenn wir uns die Mühe machen das Kleingedruckte auf der Rückseite zu beachten. Es kommt aber noch dicker. Der Begriff "Mengenausgleich" auf der Verpackung bedeutet eine weitere Verwässerung der Standards. Hier werden klassische und fair gehandelte Rohstoffe in der Produktion vermischt. Oft werden technische Argumente vorgeschoben. Das ist, auf den Punkt gebracht, Verbraucherverarschung. Es geht aber auch anders. So hat GEPA seinen Orangensaft erst dann zertifizieren lassen, als alle Grundstoffe fair zu bekommen waren. Dabei sind auch die sozialen Arbeitsbedingungen der Beschäftigten integriert und bei GEPA sind in den Mischprodukten mindestens 50 Prozent fair gehandelte Grundstoffe. Es gibt gravierende Unterschiede, ob wir eine Prinzenrolle im Discounter erwerben, auf der vorne der Prinz für Nachhaltigkeit wirbt und hinten die Prozentzahl 5 steht, wenn es um fair gehandelte Rohstoffe in diesem Produkt geht, oder ob wir ein GEPA fair plus ausgezeichnete Produkte kaufen.

An diesem Punkt sollte es Aufgabe staatlicher Institutionen sein, hier mehr rechtliche Klarheit zu schaffen. Die zuständige EU-Kommission steht aber unter dem Druck von Lobbyisten, die immer wieder Wasser in die weiter gute Idee des fairen Handels gießen. Es bleibt uns als Konsumenten folglich nichts anderes übrig, als das Kleingedruckte zu lesen, kritische Fragen zu stellen und uns an Kampagnen zu beteiligen.


Die zweite Ebene ist ein wesentlich größerer und betrifft die Zustände am anderen Ende der Wertschöpfungskette und die dabei integrierten Machtverhältnisse. Nehmen wir das heikle Thema Kinderarbeit und Kakao. Mali ist eines der ärmsten Länder der Welt. Zudem ist es von mehreren Bürgerkriegen ruiniert. Eltern schicken ihre Kinder in Richtung Elfenbeinküste, die dort unter unsäglichen Bedingungen auf den Kakao-Plantagen schuften. Formal ist das verboten und die Verantwortlichen unterzeichnen immer wieder wohlklingende Abkommen, aber in der Praxis sieht es so aus, dass wenn alle paar Jahre ein Fernsehteam in der Elfenbeinküste auftaucht, wieder Kinder auf Plantagen gefunden werden. Auch in anderen Branchen, wie dem Textilbereich sind ähnliche unsägliche Vorgänge zu beobachten. Hier kann man nur durch vermehrten politischen Druck Veränderungen herbeiführen. Bei Produkten mit einem fairen Label hat man es einfacher, da dort die Transparenz bis hinunter zum Kleinbauern oder der Genossenschaft, jedenfalls formal, hergestellt ist. Trotzdem heißt es auch hier immer wachsam zu sein. In einen wachsenden Markt, mit hohen moralischen Wertvorstellungen, mischen immer wieder Geschäftsleute mit, die für einen Skandal gut sind. Die Fallhöhe ist tief und auch hier versagen vorhandene staatliche Kontrollbehörden.

Dieser Punkt führt zur dritten Ebene. Hier geht es um die globalen Handelsströme. Die jüngsten Auseinandersetzungen um die Handelsabkommen TTOP und CETA sind aktuell das unrühmlichste Beispiel. Die Befürworter-Seite preist den freien Handel und den Abbau von Handelshemmnissen an. Das wären die positiven Ergebnisse. Darum geht es aber gar nicht. Es geht um eine Verschiebung von Entscheidungsstrukturen. Große Unternehmensplayer bekommen mehr Macht und können zukünftig ganzen Gesellschaften jetzt noch besser ihre Interessen aufzwingen. Die staatliche Justiz oder auch Kontrollinstanzen verlieren an Boden. Fair und Bio, die den Namen verdienen, sind in diesen neoliberalen Machtwelten Hindernisse, die es abzuräumen gilt.

Wir können dagegen mit dem Kauf von Fair- und Bioprodukten - und zwar nicht vom Discounter - dagegen ein Zeichen setzen. Nicht mehr und nicht weniger.

campact.de

Georg Lutz ist Politologe und Redakteur und hat schon Mitte der achtziger Jahre, als die ersten Freihandelsabkommen unterzeichnet wurden, vor Verfestigungen von Machtstrukturen in der Handelspolitik gewarnt.



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Dienstag, den 11.10.16 |

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