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Auch Nazis können vegan kochen

Kulturelle Codes der rechten Szene waren vor einigen Jahren noch deutlich erkennbar. Glatze, Bomberjacke, Springerstiefel mit weißen Schnürsenkeln waren leicht auszumachen. Auch die kulinarische Begleitmusik war einfach gestrickt. Große Schnitzel und viel Bier mit unsäglichem Gegröle prägten die rechten Grillfeste. Das gibt es heute auch noch, allerdings hat die Verwirrung zugenommen, da Überschneidungen zu beobachten sind. Schauen wir uns einige Beispiele an.

Gleichzeitig zur Grünen Woche protestiert in Berlin unter dem Motto "Wir haben es satt!" die Ökoszene, gegen die Industrialisierung der Landwirtschaft. Im Januar 2011 fiel ein Transparent "Wir haben es satt - Dem Schächten ein Ende setzen" zunächst überhaupt nicht auf. Die rechten "Autonomen Nationalisten" kleiden sich schwarz und tragen "Palästinenser-Feudel", ein Kleidungsstück das früher linken Aktivisten vorbehalten war. Rechtsradikale stehen mit ihrer Ablehnung des Schächtens in einer langen Tradition der sehr speziellen Tierliebe. Die Kritik am Schächten hat eine antisemitische Propagandagrundlage. Tierliebende Nazis sind folglich nichts Neues unter dieser Sonne.

In den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts waren Wohngemeinschaften in ländlichen Regionen von linken Aussteigern geprägt, die mit ihren Projekten konkret an den Verhältnissen etwas ändern wollten. Das war anarchistisch bunt und mündete nicht selten in betrieblichen Sackgassen. Das waren aber vergleichsweise ganz andere Problemdimensionen wie heute. Jamel liegt nur wenige Kilometer von der Ostseeküste entfernt. Das winzige Sackgassendorf zwischen Wismar und Grevesmühlen hat es inzwischen zu trauriger Berühmtheit gebracht. Es ist fest in der Hand von Nazis. Rechte Strategen haben schon vor Jahren die Parole ausgegeben in ländlichen Räumen, die wenige Strukturen haben, das Kommando zu übernehmen. Die neuen "Biobauern" verhalten sich zunächst freundlich und zuvorkommend. In Jamel sind aber inzwischen an jeder Ecke Nazi-Insignien und Nazi-Malereien zu entdecken, die das völkische Landleben preisen. Offizielle Verantwortliche haben den Ort aufgegeben. Nur das Künstlerehepaar Lohmeyer hält dagegen. Vor wenigen Monaten wurde aber ihre Scheune abgefackelt. Die Entwicklungen machen auch vor politischen Strukturen nicht halt. Der Landesverband des BUND in Mecklenburg-Vorpommern war einige Jahre von Nazis unterwandert.

Auch die neuste Jugendkultur, die Hipster werden in Beschlag genommen. Sie sind "Nipster", die tragen Hipster-Style und denken rechtsextrem. Der moderne Nazi von heute hat einen Jutebeutel und trägt einen Hauch Öko vor sich her. Und so kocht er auch. Nazis können in Kochshows auch vegan agieren. Auf Youtube kann man den "Nipsters" dabei zusehen.

Das kann man als unwichtigen Jugendtrend abtun. Ein Blick auf die Hintergründe verdeutlicht aber die Brisanz. In Zeiten der Flüchtlingskrise ist viel von "Heimat" und "unseren Werten" die Rede. Dabei ist in der Abgrenzungsrhetorik der Mensch kein gesellschaftliches Wesen mehr, sondern sein Status wird aus einer "natürlichen" Gesellschaftsordnung abgeleitet. Eine Nation wird in der Folge dieser Denkweisen zum natürlichen Biotop, welches man verteidigen muss. Das Beispiel der politischen Kampagne und Abstimmung zur Ecopop-Initiative in der Schweiz, die aus ökologischen Gründen die Migration in die Schweiz faktisch beenden wollte, zeigt wie diese Theorie sehr schnell in praktische Folgen, bei denen man politisch im braunen Sumpf landet, umschlagen kann. Migranten und Flüchtlinge stören, wie in der Botanik das Gleichgewicht der Heimat. Vermischung ist schlicht schädlich. Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit werden hier als natürliche menschliche Reaktion gerechtfertigt.

Es gilt folglich genau und kritisch hinzuschauen, in welchem ideologischen Kontext und mit welchen Begründungen ökologische und soziale Forderungen gestellt werden. Das ist heute leider so.

Georg Lutz ist Redakteur, Politologe und wohnt in Freiburg. Vor dieser Kolumne wusste er nichts von Nipstern, die in Kochshows vegan in der Küche die Kochlöffel schwingen.

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Donnerstag, den 19.11.15 |

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Kommentare (html o. links nicht erlaubt)
Josef Fendt
01.06.2016 18:08:48
Sehr geehrter Herr Lutz,

eine sehr aufschlussreiche Darstellung. Ich würde diese Info gerne weiterreichen. Kann ich den Artikel mit Nennung dieses Links von amorebio.de und des Autors auf dem Portal www.weet.me re-posten?

Viele Grüße

J. Fendt
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S.U.
03.12.2015 12:17:17
Ist doch nichts Neues: Auch Hitler war Vegetarier.
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