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Wie ernähren wir uns? Renaissance des aufklärenden Dokumentarfilms

Bei der Zahl zehn Milliarden kann es einem ganz schön schwindlig werden. Eigentlich kann man sich die Dimension nicht vorstellen. Wir sollten uns aber trotzdem damit beschäftigen. Es geht schlicht darum, wie wir uns auf diesem Planeten ernähren wollen. Wie bekommen wir gesunde Ernährung und Reduzierung des Hungers unter einen Hut? Hier setzt der neue Dokumentarfilm "10 Milliarden Wie werden wir alle satt?" von Valentin Thun an. Um die Mitte dieses Jahrhunderts werden zehn Milliarden Menschen auf unserer Erde leben. Wie sollen die bloß alle satt werden - und womit?

Das zentrale falsche Vorurteil setzt an der quantitativen Zahl direkt an und verneint eine Lösung. Überbevölkerung würde zu mehr Hunger führen. Allerdings lag schon der Urahn dieser Argumentation falsch. Der britische Nationalökonom, Mathematiker und Pastor Thomas Robert Malthus schrieb seine berühmteste Abhandlung über das Prinzip des Bevölkerungswachstums im Jahr 1798. Er glaubte herausgefunden zu haben, dass die Menschheit sich ins Elend fortpflanze. Die Bevölkerung wächst nach Malthus zufolge in einer ersten Phase wie eine geometrische Reihe: 1,2,4,8, 16 und so weiter. Die Lebensmittelproduktion folge in ihrem Wachstum dagegen einer arithmetischen Reihe: 1,2,3,4 und so fort. Solche Formeln haben mit komplexen Realitäten dieser Welt wenig zu tun, sind aber noch heute sehr wirkungsmächtig.

Der Ökonom Amartya Sen, der für seine Arbeiten zur Wohlfahrtsökonomie den Nobelpreis bekam, stammt aus Westbengalen, einem indischen Bundesstaat an der Grenze zu Bangladesch. Im Jahr 1943, als Sen neun Jahre alt war, wurde er dort Zeuge einer verheerenden Hungersnot, in der mehr als drei Millionen Menschen starben. Er ist aktuell der bekannteste Kritiker von Malthus und seinen Jüngern. Es geht nicht um die reine quantitative Produktion, sondern um die Frage der richtigen Verteilung. Hunger und Armut sind nach Sen hauptsächlich die Folge unzureichender politischer Rechte und fehlender Gerechtigkeit.

Mit quantitativen Argumentationsfiguren kommen auch die Vertreter der industriellen Landwirtschaft in der aktuellen Debatte daher. Mit Hybridsaatgut und Gentechnologie wollen sie unsere Teller bestücken und den Hunger lösen. Auch in dem Dokumentarfilm "10 Milliarden Wie werden wir alle satt?" kommen sie zu Wort. Die industrielle Landwirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten gewaltige Mengen von Nahrungsmitteln auf den Markt geworfen. Dabei waren die Heilsversprechen schon beim Stichwort "Grüne Revolution", mit ihren Hochleistungs- und Hochertragssorten aus den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts schon zwiespältig, da die sozialen und ökologischen Auswirkungen ausgeblendet wurden.

Das hat sich heute kaum geändert. Der Sprecher des Bayer-Konzerns darf im aktuellen Film von Valentin Thun eine Hymne auf das Hybridsaatgut anstimmen. Anschließend werden aber die Filmbilder die die desaströsen konkreten Folgen des Saatguts in einem indischen Reisanbaugebiet zeigen dagegen geschnitten. Kleine Bauern, verlieren und ein deutscher Konzern gewinnt. Das ist das alte Lied.

Zum Glück werden diese alten und neuen Lieder in den letzten Jahren zunehmend unter die Lupe genommen. Der schon etwas angestaubt geltende Dokumentarfilm erlebt in den letzten Jahren eine lebendige Renaissance. Plastic Planet thematisiert die Vermüllung des Planeten mit Plastik, der Fast-Food-Selbstversuch Super Size Me verdeutlicht den Wahn mit den Industrieburgern, More than Honey thematisiert das Bienensterben und ganz aktuell ist Agrokalypse ein Stimmungsbericht aus den Abgründen des Sojaanbaus, der in erster Linie der Erhöhung der Fleischberge dient, in den Kinos. 10 Milliarden Wie werden wir alle satt? und Taste the Waste, den letzten Film von Valentin Thurn befinden sich in guter aufklärerischer Gesellschaft.

Solche Filme verdeutlichen, dass Essen Genuss sein kann, gleichzeitig aber eine politische Handlung darstellt.




Georg Lutz ist Politologe und Redakteur und lebt in Freiburg. In jeder Diskussion wo es um Essen und Hunger geht, musste er in den letzten Jahrzehnten mindestens einmal gegen die Argumentationsfiguren der Überbevölkerung und wie sie zu Hunger führen würden rhetorisch ankämpfen.


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Sonntag, den 26.07.15 |

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